10.09.2014

Lesung zum Abschluss der Zwangsarbeiter-Ausstellung

Versöhnung statt Feindbilder

„Ein Teller Suppe für den Feind“ hat der ukrainische Journalist Viktor Pedak seine Dokumentation betitelt, die er 2002 auf dem Höhepunkt der Entschädigungsdiskussion für ehemalige Zwangsarbeiter als ganz persönlichen Beitrag zur Versöhnung veröffentlichte. Daraus liest er jetzt in der Gedenkstätte Esterwegen.

 

Hermann Queckenstedt (l.), Leiter des Diözesanmuseums in Osnabrück
und Kurator der Zwangsarbeiterausstellung, mit Viktor Pedak im Dezember
2011 in Melle. Foto: Diözesanmuseum Osnabrück

Pedak wollte damals nicht nur den Schrecken des NS-Zwangsarbeitssystems und des Krieges thematisieren, sondern ebenso die kleinen Zeichen der Menschlichkeit, die verschleppten Osteuropäern in Deutschland, aber auch deutschen Soldaten im Osten entgegengebracht wurden: darunter auch solche auf dem Gebiet des Bistums Osnabrück.

Seit 1991 bemühte Pedak sich mit großem Engagement die Kontakte zwischen seinen Landsleuten und jenen Deutschen herzustellen, die den damaligen Feinden geholfen und im unmenschlichen System Menschlichkeit und Zivilcourage bewiesen haben. Damit regte er Briefwechsel und viele Treffen zwischen ehemaligen Zwangsarbeitern und ihren Helfern an und trug so eine Sammlung von Briefen, Dokumenten und Fotos zusammen, die historische Erkenntnisse über die Zeit des Nationalismus liefert und zugleich ein Zeugnis der Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit ist. In der Ukraine ist diese Verständigungsarbeit nicht unumstritten.

„Wir freuen uns, dass Viktor Pedak bereit ist, im Begleitprogramm der Ausstellung ‚Auch wir hatten einen Russen…‘ in Esterwegen aus seinem Buch zu lesen und die Erfahrungen seiner Versöhnungsarbeit zu schildern“, betonen die Geschäftsführerin der Gedenkstätte Emslandlager, Andrea Kaltofen, und Hermann Queckenstedt vom Diözesanmuseum Osnabrück. An die Lesung und die Ausführungen Viktor Pedaks schließt sich eine Podiumsdiskussion an, bei der neben Andrea Kaltofen auch der langjährige Leiter der Dokumentationsstätte Emslandlager, Kurt Buck, sowie die Oberin des Klosters Esterwegen, Schwester Jacintha Altenburg, ihre Erfahrungen aus der Dokumentations- und Versöhnungsarbeit erläutern werden.

Eine Woche vor dem Ende der Sonderausstellung über das Thema Zwangsarbeit und katholische Kirche im Bistum Osnabrück richtet sich das Augenmerk am kommenden Sonntag, 14. September, um 15 Uhr vor allem auf die Erfahrungen der Gegenwart und die Lehren für die Zukunft. Näheres erfahren Sie hier.