13.12.2016

Brief der vier Kardinäle zu Amoris laetitia

Vatikan äußert sich doch

Der Vatikan äußert sich doch zu dem Brief der vier Kardinäle zu Amoris laetitia - zumindest indirekt. Ein Papst-Vertrauter teilt mit, Franziskus sei trotz der öffentlichen Kritik gelassen.

In der Kritik: Das Schreiben "Amoris laetitia" wurde im April 2016 veröffentlicht. Foto: KNA

Der Vatikan hat indirekt Kritik am offenen Brief der vier Kardinäle geübt, die von Papst Franziskus mehr Klarheit im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen fordern. Seine offiziöse Tageszeitung "Osservatore Romano" veröffentlichte in ihrer Sonntagsausgabe einen Gastbeitrag, der die von den Kardinälen geäußerten Zweifel als "eingebildet" bezeichnet. Der Papst-Vertraute und Jesuit Antonio Spadaro teilte mit, Franziskus sehe die Lage gelassen.

"Einige ehrenwerte Herren leiden, weil sie nicht verstehen, was Franziskus in 'Amoris laetitia' sagen wollte", heißt es in dem "Osservatore"-Artikel des spanischen Kardinals Fernando Sebastian Aguilar (86). Ihre Zweifel seien "eingebildet", da Franziskus selbst seine Äußerungen als hinreichend klar betrachte, so der Kardinal.

Für das Verstehen des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" zum katholischen Verständnis von Ehe und Familie reiche es aus, ihn "langsam zu lesen und verstehen zu wollen", heißt es in dem Artikel. Wer sage, das seien persönliche Meinungen, es ändere sich nichts oder es ändere sich zu viel, brauche mehr Aufrichtigkeit und geistige Offenheit, so der ehemalige Erzbischof von Pamplona.

Der "Osservatore Romano" veröffentlicht Beiträge zu derart heiklen Themen nur mit Billigung oder im Auftrag des vatikanischen Staatssekretariats. Der Gastbeitrag des spanischen Kardinals unter dem Titel "Es reicht, verstehen zu wollen" erschien ursprünglich in der spanischen Zeitschrift "Vida Nueva". Aguilar war 2014 von Franziskus ins Kardinalskollegium berufen worden.

 

Ein Papst mit einer "sehr realistischen Sicht"

Franziskus habe eine "sehr realistische Sicht", schreibt der spanische Kardinal weiter. Demnach gebe es Menschen, die in sündhaften Situationen gefangen seien, dies bereuten, aber sich nicht daraus befreien könnten. Der Papst lehre, dass diese Menschen von ihren Sünden losgesprochen werden und ohne Skandal die Kommunion empfangen könnten, wenn sie aufrichtig bereuten.

Nach Angaben des bekannten italienischen Jesuiten Antonio Spadaro sieht Papst Franziskus die gegenwärtige Debatte über "Amoris laetitia" entspannt. "Der Papst weiß sehr gut, dass der Reformprozess der Kirche, wenn er effektiv ist, Spannungen schafft und entwickelt und dass es gut ist, wenn diese irgendwie zum Ausdruck kommen", sagte der Jesuit Antonio Spadaro bei Radio Vatikan. Der Papst erlebe diese Tage in "vollkommener Gelassenheit", so Spadaro. Der Chefredakteur der italienischen Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica" gilt als Vertrauter von Franziskus.

In der Debatte über das päpstliche Schreiben zu Ehe und Familie vom April dieses Jahres geht es vor allem um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Strittig ist, ob die Betreffenden nun - anders als bisher - in Ausnahmefällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen oder nicht. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Debatte im November mit der Veröffentlichung eines Briefs von vier Kardinälen. Die Unterzeichner, unter ihnen der emeritierte Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, fordern vom Papst mehr Klarheit in dieser Frage.

KNA