02.05.2012

Ausstellung „Leben und Tod“ in Bremen

Trauernde gelten oft als Störfall

Die meisten Chefs sehen trauernde Mitarbeiter als Störfall. Nur selten wüssten Führungskräfte, wie sie etwa nach tödlichen Unfällen von Angehörigen auf Kollegen zugehen sollten, sagte Unternehmensberater Ulrich Welzel. Der Experte leitet auf der Bremer Kongressmesse „Leben und Tod“ ein Symposium zur „Trauer am Arbeitsplatz“. Die Kirchen sind am 10. und 11. Mai mit einem Stand vertreten.

Ulrich Welzel leitet ein Symposium auf der Messe Leben und Tod in Bremen
Ulrich Welzel.

Meist werde von Mitarbeitenden erwartet, dass sie schnell wieder zur Tagesordnung zurückkehrten, sagte der Münchner Unternehmensberater dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Da kann es mächtig krachen, weil die Trauernden im Team oft nicht voll leistungsfähig sind, manchmal zu spät kommen, sich häufig krankschreiben lassen oder Gefahr laufen, bei der Arbeit Fehler zu machen.“ Das könne den Teamgeist schwächen und kostspielige Schäden verursachen.

„Besser ist es, wenn Führungskräfte aktiv auf den Trauernden zugehen, der einen Kollegen oder auch ein Familienmitglied verloren hat“, sagte Welzel. „Zeit nehmen, fragen, zuhören, da sein – darauf kommt es an.“ Er rät zu einem Trauergespräch am besten außerhalb der Firma. Chefs könnten per E-Mail oder mit einer Karte Anteil nehmen. „Kondolieren sollten sie binnen 24 Stunden – am besten bei einem persönlichen Besuch im Trauerhaus.“

Manchmal helfe es auch, einen professionellen Trauerbegleiter zurate zu ziehen. „Es geht um Wertschätzung“, bekräftigte der frühere Banker. Im persönlichen Gespräch könne geklärt werden, ob vorübergehend eine reduzierte Arbeitszeit oder eine andere Aufgabe sinnvoll seien.

Obwohl das Thema Tod am Arbeitsplatz meist ein Tabu ist, gibt es nach Beobachtung von Welzel auch gelungene Beispiele. So habe die Handwerkskammer in Koblenz zusammen mit dem Kölner Palliativmediziner Martin Fuchs ein Modell für den Umgang mit Trauer am Arbeitsplatz entwickelt. „Die Kammer bietet Seminare für Unternehmen an und organisiert im Trauerfall auch Hilfen etwa mit erfahrenen Psychologen, Theologen und Arbeitsmedizinern.“

Trauer sei eine natürliche Reaktion auf Verlust und keine Krankheit, gab der Experte zu bedenken. Aber sie könne dazu führen, dass ein Mensch vorübergehend den Halt in seinem Leben verliere. „Deshalb ist es so wichtig, dass es auch im Betrieb Rückhalt gibt.“ Auf diese Aufgabe sollten sich Führungskräfte vorbereiten. „Das ist wie mit dem Schleuderkurs auf dem Verkehrsübungsplatz“, sagte Welzel. „Man wünscht sich, dass es nie passiert. Wenn es aber doch passiert, ist man besser vorbereitet und vermeidet Fehler.“

Dieter Sell (epd)

 

Die katholische und die evangelische Kirche sind mit einem gemeinsamen Stand sowie mit Seelsorge- und Beratungsangeboten auf der Messe „Leben und Tod“ vertreten, die am 10. und 11. Mai zum dritten Mal in Bremen stattfindet.

Am Kirchenstand in Halle 4 (4 D 06-09) stehen Seelsorger und Seelsorgerinnen für Informationen und Gespräche rund um die Themen Trauer, Sterben, Begräbnisfeiern, Patientenvorsorge sowie Hospiz- und Palliativarbeit zur Verfügung. Am Donnerstag um 12.45 Uhr und am Freitag um 13 Uhr laden die Kirchen unter dem Motto „an-ge-dacht“ zu ökumenischen Impulsen ein.

Um biblische Anregungen für Seelsorge und Spiritualität geht es in dem Fachvortrag von Peter Klaus Godzik am Donnerstag um 11.30 Uhr. Der evangelisch-lutherische Theologe fragt, von welchen Bildern sich Menschen in der Begleitung Sterbender leiten lassen. Spiritualität in der Hospizarbeit steht im Mittelpunkt des Referats von Karin Wilkening am Donnerstag um 13.15 Uhr. Die Diplompsychologin ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes und der Zeitschrift „Spiritual Care“.

Die renommierte Expertin für Palliativ- und Trauerbegleitung Ruthmarijke Smeding stellt am Donnerstag von 16 Uhr bis 17 Uhr das Trauerbegleitmodell „Trauer Erschließen“ als dynamisches Gezeitenmodell® vor. Die Gezeiten symbolisieren das Kommen und Gehen der Trauer, durch die sich der Trauernde verändert. Unter dem Titel „Gibt es ein: Genug getrauert?“ richtet sich die Trauerforscherin besonders an Berufsgruppen, die mit Trauer zu tun haben: Mediziner, Pfleger, Seelsorger, Sozialarbeiter, Psychologen, Bestatter und Ehrenamtliche in der Hospiz- und Palliativarbeit.

Am Freitag um 10.30 Uhr fragt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen „Wer begleitet die letzte Reise besser? Seelsorge versus Spiritual Care“.

Die Messe „Leben und Tod“ ist am Donnerstag, den 10. Mai, und am Freitag, den 11. Mai, jeweils von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 8 Euro. Das vollständige Programm und weitere Informationen zur Messe „Leben und Tod“ finden Sie hier.