Seniorentanzleiterin bietet israelischen Tanz an

Medizin für die Seele

Tänze aus Israel sind anspruchsvoll – komplizierter als normaler Seniorentanz. Aber gerade das hat Maria-Theresia Schmitz-Hünermann gereizt. Die Bremerin bietet Kurse an und hat sogar ihren Mann dazu gebracht, das Tanzen als Hobby zu entdecken.

 

Das Wohnzimmer wird zur Tanzfläche: Maria-Theresia Schmitz-
Hünermann und ihr Mann Werner Schmitz proben israelische Tänze.
Fotos: Anja Sabel

Das Wohnzimmer im Hause Schmitz-Hünermann verwandelt sich bei den Proben in eine Tanzfläche: Dann wird der Teppich zusammengerollt und der CD-Spieler aus dem Schrank geholt. Maria-Theresia Schmitz-Hünermann hat sich umgezogen, erscheint mit einem Rock in Wüstenfarben, leichten Schuhen, Schmuck und geschminkten Lippen. Als Erstes erklingt die Musik zur „Hora aus Moldavien“. Diesen temperamentvollen israelischen Tanz mag auch Ehemann Werner Schmitz. Seine Frau wirft noch schnell einen Blick in die Tanzbeschreibung, geht die Schritte im Kopf durch, danach übernehmen die Füße.

Maria-Theresia Schmitz-Hünermann hat Rhythmus im Blut, so lange sie denken kann. „Als Kind wollte ich Ballett lernen, doch ich bin in einer Metzgereifamilie aufgewachsen, da hat man ans Tanzen keinen Gedanken verschwendet“, sagt die 67-Jährige. Der professionelle Tanz kam erst viel später. 1993 ließ sich die Sozialarbeiterin zur Seniorentanzleiterin ausbilden, war unter anderem stellvertretende Landesvorsitzende im Landesverband Seniorentanz.

Tänze aus aller Welt im Rucksack mitgebracht

Doch die Bremerin beherrscht nicht nur Walzer, Blocktänze oder Quadrillen, sondern hat vor allem israelische Kreistänze perfektioniert. Wann immer sie Zeit hat, bildet sie sich in Seminaren der israelischen Tanzforscherin Arnhild Scheiermann weiter. Und seit 2010 bietet sie in Bremen auch selbst israelischen Tanz an. Das Interesse an der Geschichte und Kultur des jüdischen Volkes weckte eine Israelreise. Damals leistete einer der vier Söhne einen Freiwilligendienst in einem Heim für behinderte Erwachsene. Ehepaar Schmitz-Hünermann besuchte ihn. Eines Tages halfen Soldaten im Heim. Nach getaner Arbeit stellten sie die Gewehre in die Ecke und fingen an zu tanzen. „Wir haben gleich mitgemacht“, erzählt Werner Schmitz.

Israelischer Tanz, erklärt seine Frau, vereine viele Nationen und Kulturen, er sei ein Schmelztiegel. „Als der Staat Israel gegründet wurde, brachten Juden aus aller Welt ihre Tänze im Rucksack mit und belebten die jüdische Volkstanztradition.“ Wenn sie erzählt, was israelisches Tanzen ausmacht, gerät Schmitz-Hünermann ins Schwärmen, sie spricht von anspruchsvollen Figuren und Schritten, von schönen Melodien, die Körper, Geist und Seele beschwingen, und von einem tiefen Gemeinschaftserlebnis.

Die Tanzleiterin unterscheidet biblische Tänze, Kulturtänze und Naturtänze. Biblische Tänze beziehen sich auf einzelne Verse. Der Tanz „Zemer Atik“ beispielsweise geht zurück auf Moses. „Ma Navu“ bezieht sich auf den Propheten Jesaja. „David Melech Israel“ wiederum beschäftigt sich mit König David. Maria-Theresia Schmitz-Hünermann informiert ihre Kursteilnehmer auch darüber. „Ich bin ja nicht nur Tanztechnikerin, sondern möchte verstehen, was das jüdische Volk erlebt hat. Oft beziehe ich die Aussagen auch auf unsere Zeit und schaue, welche Werte heute noch gültig sind. Wenn ich tanze, bin ich auf der Suche nach dem Göttlichen.“

Beim Tanzen denkt man nicht an Krankheiten

Tanz steht bei Schmitz-Hünermann für Leben, Bewegung, Begegnung, Entwicklung, Lebensfreude, Lebenskraft, Schönheit, Begeisterung, das innere Feuer und großen Frieden. Zugleich sei der Tanz ein Gegengewicht zu allem, was das Leben an Schwerem bereithalte, sagt sie. „Man schaltet ab, erholt sich. In meinen Kursen tanzen viele kranke Menschen mit, und meistens verlassen sie den Raum mit einem strahlenden Gesicht.“

Ihr Mann, sagt Schmitz-Hünermann lachend, habe den Musikrhythmus lange nicht in Schritte umsetzen können. Heute ist Werner Schmitz einer der wenigen Männer in den Tanzkursen. Er hat Spaß an der Bewegung – und verbindet dies wie seine Frau mit der Liebe zum Land Israel. In einem Bildband zeigt er auf ein Foto von Jerusalem im Abendlicht. Als sei die Stadt in Gold getaucht. „Jerusalem in Gold“ – so heißt auch ein Tanz, den das Ehepaar besonders mag. Maria-Theresia Hünermann-Schmitz hat diesen Tanz für den nächsten Kurs schon fest eingeplant.

Anja Sabel

Der nächste Tanzkurs mit Tänzen aus Israel findet am Samstag, 12. Oktober, von 15 bis 18 Uhr im Gemeindehaus St. Georg, Ledaweg 2A, statt. Kosten: 20 Euro pro Person. Anmeldung bis 27. September unter Telefon 04 21/23 77 12 oder E-Mail: maria-theresia.schmitz-huenermann@bremen.de. Weitere Informationen: www.seniorentanz-bremen.de