Weihbischof Johannes Wübbe lobt Ehrenamtliche

Landleben als Herausforderung

„Kirche muss sich auf die Sorgen der Menschen einlassen und aktuelle Probleme aufgreifen“, sagte Weihbischof Johannes Wübbe beim Landwirtschaftstag in Oesede. Er ging als Gastredner auf die Herausforderungen ein, die auf Menschen in ländlichen Gebieten warten, und hob das große ehrenamtliche Engagement vieler Landbewohner hervor.


Weihbischof Johannes Wübbe, Pastorin Ricarda Rabe von der Evangelisch-
Lutherischen Landeskirche Hannover und Moderator Andreas Brinker
(Katholische Landvolkhochschule Oesede). Foto: KLVHS Oesede

Weihbischof Johannes Wübbe betonte, dass die katholische Kirche im Bistum Osnabrück an vielen Stellen auf dem Land präsent sei – sei es mit den katholischen  Kinder-tagesstätten und den Altenpflegeheimen oder durch die Jugendarbeit der Katholischen Landjugend-bewegung (KLJB). Auch das Landwirtschaftliche Sorgentelefon werde besonders unterstützt. Mit den Worten „Kirche ist kein Museum“ zitierte Wübbe Papst Franziskus und plädierte für eine Kirche, die weiterhin in Bewegung bleibt.

Auch die Enzyklika „Laudato Si“ des Papstes griff der Weihbischof auf. So seien ökologische Probleme, die unter anderem durch das Konsumverhalten der Menschen in den Industrienationen hervorgerufen würden, niemals alleine zu betrachten, sondern brächten stets auch soziale Probleme mit sich. Er verwies auf die Auswirkungen des globalen Handels. Die Verlierer dieses Welthandels befänden sich vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern. Um die Herausforderungen der Zukunft anzugehen, brauche es Menschen, die über den Tellerrand schauen könnten und die Probleme vor Ort anpackten.

Pastorin Ricarda Rabe von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover bezog als zweite Rednerin Stellung zum Thema Kirche und ländliche Räume. Die Referentin des „Kirchlichen Dienstes auf dem Lande“ (KDL) sagte, die negativen sozialen Folgen des beschleunigten Strukturwandels und des Prinzips „Wachsen oder Weichen“ würden vor allem in den Gesprächen deutlich, die die Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Familienberatung mit Ratsuchenden führen.

In Anspielung auf die Demonstrationen „Wir haben es satt“ sowie „Wir machen euch satt“, die während der kommenden Grünen Woche in Berlin erneut geplant sind, betonte die Pastorin: „Ich habe dieses Lagerdenken satt.“ Statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, sei es viel wichtiger, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Rabe sagte, die Kirche müsse als Akteur auf dem Pachtmarkt wie auch als Großverbraucher von Lebensmitteln in kirchlichen Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen. „Andernfalls geht die Glaubwürdigkeit der Kirchen bei den Menschen verloren“ so Rabe.

Rabe betonte, dass es in Niedersachsen den typischen ländlichen Raum gar nicht gebe. Vielmehr unterschieden sich die Regionen stark und hätten auch unterschiedliche Aufgaben zu lösen. Während es in manchen Gegenden junge Menschen aus den Dörfern in die Städte ziehe, so gebe es doch auch viele Fälle, in denen das Dorfleben floriere und eine aktive Gemeinschaft entstehe. „Diese positiven Beispiele leben stets von Menschen vor Ort, die als Motoren des Dorfes fungieren und die wahre Stärke des ländlichen Raumes ausmachen“, stellte die Pastorin heraus.

In der Talkrunde hoben Pastorin Ricarda Rabe wie auch Weihbischof Johannes Wübbe hervor, die Kirchen müssten an die Menschen appellieren, ihren Lebensstil an die knappen Ressourcen der Erde anzupassen. Lokal handeln und global denken sei das Stichwort. Gleichwohl müssten die Kirchen sich auch an ihrem eigenen Handeln messen lassen und als gutes Beispiel vorangehen, zum Beispiel, indem sie fair gehandelte Produkte und regionale Erzeugnisse einkaufen. (kb)