Im sozialen Kaufhaus in Aurich haben mehrere Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden

"Kann ich Ihnen weiterhelfen?"

Erst seit gut vier Wochen gibt es das soziale Kaufhaus in Aurich. Aber der Andrang ist schon groß. Das spüren die Mitarbeiter, die hier eine neue Arbeitsstelle gefunden haben. Zum Beispiel Chris Petersen.

Gut zu tun: Die Mitarbeiter des neuen sozialen Kaufhauses sorgen dafür, dass die Waren gut präsentiert werden.
Foto: Petra Diek-Münchow

„Schön, dass Sie etwas gefunden haben,“ sagt Chris Petersen und nimmt der Kundin die rote Winterjacke ab. Die lächelt zurück, zahlt und lässt sich das warme Kleidungsstück schnell noch etwas einpacken. Petersen schaut ihr beim Hinausgehen kurz hinterher und wendet sich der nächsten Besucherin zu. „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“, fragt er. An diesem Vormittag ist im neuen sozialen „Kaufhaus am ZOB“ in Aurich viel los – wie eigentlich immer seit der Eröffnung vor gut vier Wochen.

„ZOB“ steht für zentraler Omnisbus-Bahnhof und kennzeichnet den Standort des Ladens: nahe der Fußgängerzone, gegenüber der Haltestelle. Wer auf seinen Bus wartet, kann schnell mal über die Straße gehen und in den Regalen stöbern. Und die Auswahl ist groß. „Wir bekommen unheimlich viele Spenden“, sagt Stephanie Holle und schaut zu, wie Petersens Kollege oben jede Menge feines Porzellan einräumt.

Stephanie Holle ist Geschäftsführerin der Caritas in Ostfriesland. Der Verband betreibt das Kaufhaus gemeinsam mit dem Diakonischen Werk. Dafür ist ein früheres Möbelgeschäft saniert und umgebaut worden. Auf 270 Quadratmetern gibt es günstige Kleidung, Hausrat, Bücher, Spielsachen und Babyausstattung. Jeder kann hier einkaufen, nicht nur Menschen mit einem niedrigen Einkommen. „Wer nicht viel Geld zur Verfügung hat, kann bei uns gut einkaufen“, sagt Holle. 20 Ehrenamtliche helfen Kunden bei der Auswahl, sortieren und räumen die Waren ein.

Darüber hinaus haben mehr als zehn Männer und Frauen eine Stelle gefunden. Zuvor waren sie lange arbeitslos gewesen, waren durch verschiedene Faktoren auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Einer von ihnen ist Chris Petersen, der 30 Stunden pro Woche im Einsatz ist. Der 25-Jährige hat den Beruf des Einzelhandelskaufmannes gelernt, aber nach der Ausbildung keine weitere Stelle gefunden. „Ich habe ohne Ende Bewerbungen geschrieben, aber nichts kam“, erzählt er. Zudem schränkt ihn seine angeborene Herzschwäche ein. Eine Beschäftigung hatte der junge Mann zunächst im sozialen Kaufhaus „Lüttke Knippke“ in Emden gefunden – und konnte von dort nach Aurich wechseln. Hier gefällt es ihm außerordentlich gut. Er schwärmt von der guten Atmosphäre im Team und hofft auf eine langfristige Stelle.

Dass es bei einer Arbeitsstelle nicht nur ums Geld geht, hat er längst erfahren. „Wenn man arbeitlos ist, gehört man irgendwie nicht mehr richtig dazu. Dann weiß man gar nicht, warum man morgens überhaupt aufstehen soll.“ Das hat sich grundlegend geändert. Sagt es und dreht sich um zum nächsten Kunden.

Mitten in Aurich

Das soziale Kaufhaus befindet sich mitten in Aurich, am Ende der Fußgängerzone. Gegenüber liegt der zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB). Träger sind das Diakonische Werk und der Caritasverband mit Unterstützung der Stadt Aurich. Das Kaufhaus hat montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Petra Diek-Münchow