Schüler und Gemeindegruppen gestalten Wohlfühlplätze

Ein Stuhl wie ein Königsthron

Wo möchten Sie am liebsten sitzen? Sicher auf einem „Wohlfühlplatz“. 31 solcher wunderbar bunten Stühle sind bei einer bistumsweiten Kunstaktion entstanden. Zum ersten Mal sind sie jetzt alle in der katholischen Kirche in Fullen zu sehen.

Mit goldener Krone: Generalvikar Theo Paul (v.r.), Diözesanbeauftragte Christiane van Melis und Schulleiterin Elisabeth Wittenbrink präsentieren einen der 31 „Wohlfühlplätze“.
Fotos: Petra Diek-Münchow

 

Wer soll in unserer Mitte sitzen?  Und wen möchten wir willkommen heißen? Unter diese Leitfragen hatten die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen am St.-Vitus-Werk in Meppen und das Bistum Osnabrück die Aktion „Nimm Platz“ gestellt. Vor allem Schulen, Gemeindegruppen, Jugendliche und Einrichtungen der Behindertenhilfe sollten dafür Stühle gestalten – ohne Vorgabe,  mit einem Stuhl ihrer Wahl. Damit Menschen einen Wohlfühlplatz in unserer Gesellschaft und in unserer Kirche bekommen.

Das Ergebnis stellte das Projektteam um Michael Knüpper (Seelsorger für Menschen mit Behinderungen) jetzt mit großer Freude in der St.-Vinzentius-Kirche in Fullen vor. 31 farbenfrohe, witzige, mutmachende und nachdenklich stimmende Stühle sind dort verteilt im ganzen Kirchenschiff zu sehen. Bemalt und benäht, gezimmert und dekoriert von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Einige dieser Plätze sehen aus wie ein prächtiger Königsthron mit goldener Krone, andere wie ein gemütlicher Sessel mit weichen Kissen. Einige umgibt ein schützender Baldachin, andere glänzen mit funkelnden Lichtern. Einige sind mit Rosen geschmückt, andere mit strahlender Sonne gemalt. Und jedem dieser fantasievollen „Wohlfühlplätze“ sieht man an, wieviel Freude die teilnehmender Gruppen bei der Arbeit daran hatten.

Besonders fleißig haben Schüler bei der Kunstaktion mitgemacht. Zum Beispiel von den Berufsbildenden Schulen in Friesoythe, von der Marienhausschule in Meppen, von der Waldschule in Esterwegen – und von der Jakob-Muth-Schule in Meppen. Elisabeth Wittenbrink, Leiterin dieser Förderschule, erzählt von der großen Begeisterung, mit der die Schüler verschiedener Stufen bei der Sache waren. Da wurde aus Paletten ein Sessel ganz neu konstruiert, da wurden Leitungen für Licht und Strom verlegt, da wurde gleich ein Tisch dazu gebaut. Einer ihrer Stühle heißt „Held des Tages“ – und diese Auszeichnung bekommt man schon für ein Lächeln. Aber auch Gruppenleiter, Wohnheime und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Pfarrgemeinderäte, Familienmesskreise, freischaffende Künstler und Fußballmannschaften haben mitgemacht. Die neue Diözesanvorsitzende für Menschen mit Behinderungen, Christiane van Melis, hob dabei besonders die Stühle hervor, die die  katholische Jugend aus der Obergrafschaft, die Wohnanlage Deichstraße des Meppener St.-Vitus-Werkes  sowie die Klassen 03 und 09 der Jakob-Muth-Schule geschaffen haben.

 „Alle Stühle zeigen Herz“, sagte Michael Knüpper: „Sie sagen: Ich bin bunt und das ist gut so. Ich sehe nicht perfekt aus und das ist gut so.“ Die Botschaft dieser Stühle – das ist seines Erachtens der Wunsch getragen zu werden, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, die Königswürde jedes Menschen. Und ein Willkommensgruß: „Das ist unser Platz für alle.“

Wie wichtig ein „Willkommen“  für die vielen Flüchtlinge und benachteiligten Menschen bei uns ist, machte der stellvertretende Bürgermeister Meppens, Gerd Gels, deutlich. „Sind wir bereit, allen einen Stuhl, einen Platz in unserer Mitte anzubieten?“ Viele Menschen „auch in unserer Stadt“ würden sich nach einer solchen Einladung sehnen – in der Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung steckt. Generalvikar Theo Paul sah in der Aktion ein „wertvolles Zeichen“ – für eine offene und menschenzugewandte Kirche. Er appellierte eindringlich, die Unterschiedlichkeit der Menschen zu akzeptieren, dabei gleichzeitig ihre Ähnlichkeit und ihre gemeinsamen Sehnsüchte wahrzunehmen. Und gerade diese Vielfalt als Chance und Reichtum zu begreifen. „In dieser Vielfalt hat jeder seinen eigenen Platz.“
Petra Diek-Münchow

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Juli in der katholischen Kirche in Meppen-Fullen zu sehen. Danach wandert sie in die Landvolkshochschule Oesede.