Diese jungen Menschen haben eine gemeinsame Basis – den Glauben

Die Wohngemeinschaft mit dem Plus

Gerade bei jungen Erwachsenen sind Wohngemeinschaften oft Zweckbündnisse auf Zeit. Die Bewohner der „WG+“ in Osnabrück aber wollen mehr: Sie werden während ihrer WG-Zeit auch im Glauben begleitet und gestärkt.

 

Fühlen sich wohl in ihrer WG: (v.l.) Dominik, Jana, Hannah, Nora und Lars Büter von der Arbeitsstelle Freiwilligendienste. Foto: Philipp Adolphs

Der Adventskalender hängt. Alle Türchen wurden gefüllt. Und jeden Tag darf ein Bewohner eines öffnen. „Jeder von uns hat sechs Tage, an denen er von den anderen beschenkt wird“, freut sich Nora Althoff. Die 19-Jährige aus Mülheim an der Ruhr lebt seit ein paar Monaten in der „WG+“ in Osnabrück, ein spezielles Angebot des Bistums für Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes. Das Plus steht für eine intensivere Begleitung während dieser Zeit und als Symbol für den Glauben.

Neben Nora leben drei weitere junge Erwachsene in der Wohnung in der Osnabrücker Innenstadt. Jugendbildungsreferent Lars Büter von der Arbeitsstelle Freiwilligendienste kümmert sich um die WG. Die Zimmer sind möbliert. Jeder hat ein eigenes Schlafzimmer, außerdem gibt es zwei Bäder, eine moderne Küche und ein großes Wohnzimmer mit Couchecke und einem Stuhlkreis für geistliche Impulse. Einmal in der Woche gibt es abwechselnd morgens oder abends einen geistlichen Impuls mit Schwester Rita Niehaus oder Michael Franke, Jugendpfarrer und Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche.

„Der Impuls ist sehr vielfältig und gar nicht immer so spirituell“, sagt Dominik Ahlers aus Oberlangen bei Haren. Mit 20 Jahren ist er der Älteste in der WG. Er möchte einmal Priester werden und absolviert sein FSJ in einer Behindertenwerkstatt. „Wir lesen auch gemeinsam Zeitungsartikel und diskutieren, zum Beispiel über die Flüchtlingssituation.“ Die Themen können von den jungen Erwachsenen selbst festgelegt werden. „Diese Stunden sind sehr gemeinschaftsstiftend“, erlebt Schwester Rita. Schließlich wohnten in einer WG oft Menschen eng zusammen, die sich vorher nicht kannten. „Da ist eine gemeinsame Basis, wie hier der Glaube, wichtig. Der Einzelne wird gestärkt, aber es wirkt sich auch auf die Gemeinschaft aus.“

Inzwischen gibt es einen wöchentlichen WG-Abend

Auch die anderen WG-Bewohner schätzen die besinnlichen Momente am Morgen oder am Abend: „Nach dem geistlichen Impuls am Morgen startet man erfrischt in den Tag, vielleicht mit einer Anregung, worauf man heute achten könnte“, erzählt Nora. Sie möchte einmal Logopädin werden und arbeitet in einem Sprachheilkindergarten. In der WG „konnte man sich schnell aufeinander einlassen“, sagt sie. Anfangs habe man zwar „mehr nebeneinander als miteinander gelebt“, doch inzwischen gebe es einen wöchentlichen WG-Abend: jeden Donnerstag. Hier backen oder kochen die jungen Erwachsenen zum Beispiel miteinander.

Verschiedenste Talente können zum Einsatz kommen: So spielt die 18-jährige Jana Kuhlmann gleich vier Instrumente. Sie möchte Musiklehrerin werden. Zurzeit arbeitet sie in der jüdischen Kindertagesstätte König David. Zwar fühlt sie sich „eindeutig katholisch“, doch seien es der „gleiche Gott und die gleichen Grundzüge“, die sie mit den Eltern der jüdischen Kinder teilt. Die Letzte im Bunde ist Hannah Conen aus Haren. Die 18-Jährige absolviert ihr FSJ bei der Katholischen Jugendhilfe Don Bosco. Später überlegt sie, als Kinderkrankenpflegerin zu arbeiten oder Soziale Arbeit zu studieren. Zwar komme sie „aus einer behüteten Familie“, musste vieles erst lernen, doch funktioniere das  Leben in der WG sehr gut.

Aufmerksam auf die „WG+“ wurde Hannah über ihren Vorgesetzten im Kinderheim. Der verwies sie an Lars Büter, der das Bewerbungsverfahren organisiert: „Zuerst bewirbt man sich auf ein FSJ“, sagt er. Im Einzelgespräch werden die Bewerber dann zur WG-Besichtigung eingeladen. „Man muss dafür nicht tief und fest in der Kirche verankert sein“, so Büter. Er schließt nicht aus, „dass es auch mal krachen kann in der WG. Dafür bin ich dann zuständig“, sagt er.  Zwar betreue er die Bewohner, doch sollten die Vier weitgehend selbstständig sein: „Wenn mal eine Glühbirne kaputtgeht, erwarte ich, dass die WG sich um die Kosten und den Wechsel kümmert.

Die aktuelle Wohngemeinschaft funktioniere super. „Wir haben einen gemeinsamen Nenner mit dem FSJ“, sagt Dominik, „aber auch wenn alle etwas Neues einbringen, finde ich das schön.“ Auch Nora betont die Harmonie. Zwar müsse man manchmal kompromissbereit sein, doch werde auch vieles geteilt. So werden Tee, Marmelade, Gewürze, Käse, Salat, Obst oder Gemüse aus der gemeinsamen WG-Kasse finanziert. Und im Advent haben die Vier einen Weihnachtskarton für bedürftige Kinder gefüllt und verschickt.

Philipp Adolphs

 

 

Wohngemeinschaft

Das Leben in einer Wohngemeinschaft (WG) bietet neben der Kostenersparnis weitere Vorzüge wie das soziale Miteinander. Daher werden WGs auch von Berufstätigen genutzt, obwohl sie sich auch eine eigene Wohnung mieten könnten. Neben der Studenten-WG, mit einem Anteil von 25 Prozent die beliebteste Wohnform von Studenten, gibt es auch Senioren-WGs, Buisness-WGs, Zweck-WGs oder WGs für Alleinerziehende.
Informationen zur „WG+“ des Bistums Osnabrück erteilt Lars Büter, Telefon 05 41/31 82 28.