16.02.2017

Aufklärung von Missbrauchsfällen

Burke am "weitmöglichst enfernten" Ort

Weit weg von Rom, ans andere Ende der Welt: Kardinal Burke soll auf der Insel Guam in Ozeanien einen Missbrauchsfall aufklären.

Kardinal Raymond Leo Burke
Foto: KNA

Der Vatikan hat die geplante Entsendung des früheren Kurienkardinals Raymond Leo Burke zur Aufklärung eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls nach Guam indirekt bestätigt. Die Glaubenskongregation habe am 5. Oktober ein Gericht erster Instanz eingerichtet; Vorsitzender Richter dieses autonomen und von der Kongregation getrennt arbeitenden Gerichts sei Kardinal Burke, sagte Vatikansprecher Greg Burke der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Medien hatten zuvor berichtet, Kardinal Burke sei zur Aufklärung eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls nach Guam gereist. Nach geltendem Kirchenrecht liegt die Aufklärung von Missbrauchsvorwürfen gegen Bischöfe und Erzbischöfe beim Vatikan.

Der US-Amerikaner ist einer der Wortführer des konservativen Kirchenflügels und Mitverfasser eines Briefs von vier Kardinälen mit Zweifeln zum Papstschreiben "Amoris laetitia". Kardinal Burke hatte eine "formelle Korrektur" des Papstes angekündigt, wenn dieser nicht auf die Fragen der Kardinäle antworte. Die italienische Tageszeitung "Messaggero" schrieb, mit Burke sei "der Hauptgegner" des Papstes mit der Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen an einem "weitmöglichst entfernten" Ort beauftragt worden.- Guam ist die südlichste Insel des Marianen-Archipels in Ozeanien. Sie ist ein sogenanntes nichtinkorporiertes Territorium der USA.

 

Burke soll Kirchenrechtsprozess vorbereiten

Die "Guam Pacific Daily News" hatte am Mittwoch berichtet, Kardinal Burke solle auf Guam ein mutmaßliches Opfer, Roland Sondia, befragen. Sondia soll in den 1970er Jahren als Messdiener vom späteren Erzbischof von Agana, Anthony Apuron, missbraucht worden sein. Der heute 71-jährige wurde 1986 Erzbischof von Agana. Nachdem im Juni 2016 Anschuldigungen gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs erhoben wurden, beurlaubte ihn Papst Franziskus.

Um den Fall zu klären, muss Burke laut "Messaggero" solange vor Ort bleiben wie nötig, um den Kirchenrechtsprozess anzuweisen. Die Zeitung vermutet, der Kardinal werde deshalb nicht an einer für Ende des Monats angesetzten Konferenz in den USA, zu der er erwartet werde, teilnehmen können.

Burke war von 2008 bis 2014 Präfekt der Apostolischen Signatur, dem höchsten Gericht der römischen Kurie. Dieses Kurienamt verlor der US-Kardinal unter Papst Franziskus, der ihn 2014 zum Kardinalpatron des Malteserordens ernannte. Nach Streitigkeiten über die Enthebung des inzwischen wieder eingesetzten Malteser-Großkanzlers Albrecht von Boeselager, in die auch Kardinal Burke verwickelt gewesen sein soll, hatte der Papst Anfang Februar den vatikanischen Innenminister Giovanni Angelo Becciu zum Sonderbeauftragten für den Orden ernannt. Becciu soll bis zur Wahl des neuen Großmeisters "einziger Sprecher" in Angelegenheiten zwischen Vatikan und Orden sein. - Dafür wäre sonst Burke als Kardinalpatron des Ordens zuständig gewesen.

KNA