Zehn Jahre Pastorale Räume in Bremen

„Wir sind St. Raphael"

Vor zehn Jahren wurden in Bremen fünf neue Pastorale Räume gegründet. St. Raphael berichtet von einem Zusammengehörigkeitsgefühl von Anfang an – und feiert deshalb als einzige Bremer Pfarrei ungewöhnlich groß.

 

Annette Prevot, Pfarrer Joachim Dau, Annette Griehl vom
Pfarrgemeinderat und Elisabeth Hunold-Lagies (v.l.)
präsentieren das Programm der Pfarrei St. Raphael am
Standort St. Antonius. Foto: Anja Sabel

16 eigenständige Kirchengemeinden gehen in fünf Großpfarreien auf – dieser Schritt war radikal. Er hat die katholische Landschaft Bremens verändert und verlangt den Gläubigen bis heute einiges ab. Aber die bange Frage, ob das Kleid nicht zu groß sei für einen zu schmalen Körper, stellt sich heute, zehn Jahre später, nicht mehr. Man äußert sich überwiegend optimistisch. Die Menschen identifizieren sich zunehmend mit den Pastoralen Räumen, gestalten sie und nutzen die Chance, kategoriale Dienste wie Caritas, Kindertagesstätten und Schulen mit einzubeziehen.

Ein Grund zum Feiern – und zwar das ganze Jahr über, findet St. Raphael, die mit über 12 000 Katholiken größte Pfarrei in der Stadt. Das umfangreiche Programm begründet Annette Prevot, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, mit einem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl. „Wir sind St. Raphael – das war uns von Anfang an bewusst. Und dieses Bewusstsein wollen wir stärken“, sagt sie.Das Programm „spiegelt unseren Wunsch wider, die Menschen, Dienste und Lebensbereiche in ihrer Vielfalt wahrzunehmen“, ergänzt die pastorale Mitarbeiterin Elisabeth Hunold-Lagies: „Das Interesse aneinander und die Aufmerksamkeit füreinander soll weiter wachsen.“

Die Veranstaltungen fallen immer auf den 10. eines Monats, so dass sich das Vorbereitungsteam in gewisser Weise vom Zufallsprinzip leiten lassen konnte: ein Frühstück in einer Kindertagesstätte, wenn der 10. an einem Wochentag ist, ein Gemeindefest, wenn er auf ein Wochenende fällt. „Das ergibt eine gute Mischung“, betont die PGR-Vorsitzende. Außerdem ist eine Romreise geplant.

„Faire Gemeinde“ nur mit vereinten Kräften

Lieber selbst gestalten als gestaltet werden, sagten sich die Bremer vor über zehn Jahren im Stadtpastoralrat. Und so warteten sie nicht erst ab, sondern bestimmten die neuen Dekanatsstrukturen aktiv mit. Was St. Raphael betrifft, „sind wir eigentlich zu groß“, erklärt Pfarrer Joachim Dau. Aber das „Kleid“ habe sich nicht anders schneidern lassen. Das Gemeindegebiet umfasst elf sehr unterschiedlich geprägte Ortsteile, die Wege sind oft lang. Außerdem gehören zur Pfarrei Katholiken aus über 60 Herkunftsländern. Diese Vielfalt auch in der Gremienarbeit abzubilden, gelinge noch nicht optimal, sagt Annette Prevot.

Doch der Pastorale Raum hat auch viel Neues angestoßen: Es gibt Projektchöre, eine gemeinsame Firmvorbereitung, ein Patronatsfest, das von Standort zu Standort „wandert“. Denn: „Keine Gemeinde soll sich abgehängt fühlen, sagt Elisabeth Hunold-Lagies. Nur als Großpfarrei habe man zum Beispiel energetisch sanieren und den Titel „Faire Gemeinde“ erringen können, sagt Pfarrer Dau. Und auch zwei Ferienfreizeiten könnten nur mit vereinten Kräften aufrechterhalten werden. Natürlich, sagt Hunold-Lagies, gäbe es noch immer diejenigen, die alten Zeiten nachtrauerten. Aber auch diejenigen, die die Vorteile der Pastoralen Räume sehen und entsprechende Angebote nutzen. Etwa einen Ehrenamtlichenausflug, der  alle zwei Jahre stattfindet. Prevot: „Man lernt sich kennen – und zurück bleibt ein tolles Gefühl.“

Anja Sabel

 

 

Zur Sache

Das Dekanat Bremen besteht aus fünf Pastoralen Räumen, die jeweils aus bis zu vier ehemals selbstständigen Kirchengemeinden zusammengewachsen sind: die Pfarreien St. Johann in Bremen-Mitte, St. Franziskus im Süden, St. Marien im Westen, St. Katharina von Siena im Nordosten und St. Raphael im Osten der Stadt. Gedanken über neue Strukturen machten sich die Bremer Katholiken schon, bevor das Bistum offiziell die Konsequenzen zog aus rückläufigen Kirchenbesucherzahlen und weniger werdenden Priestern.

„Raphael auf Empfang“ – unter diesem Motto lädt die Pfarrei zu einem Treffen ein am Freitag, 10. Februar, um 17 Uhr in der St.-Thomas-Kirche in Blockdiek, Grenzwehr 61. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens als Pastoraler Raum geht es um einen Rück- und Ausblick. Festredner ist Domdechant Ansgar Lüttel aus Osnabrück. Als Propst hat er damals den Weg zur Gründung der Pastoralen Räume in Bremen maßgeblich mitgeprägt. Der Empfang ist Teil eines umfangreichen Jahresprogramms: Jeder zehnte Tag im Monat wird auf andere Art begangen. Der 10. März steht unter dem Motto „Raphael erlebt: Stationen im Buch Tobit“, der 10. April unter dem Motto „Raphael besinnt sich: geistlicher Tag in St. Godehard“, zu dem die Autorin Andrea Schwarz erwartet wird. (mh/kb)

Anmeldung und Infos unter Telefon 04 21/46 739 13 oder per E-Mail: hedwig@raphael-bremen.de