15.07.2015

350 Frauen bei der Regionalfrauenwallfahrt in Esterwegen

„Im Gehen erinnern und gedenken“

350 Frauen aus dem nördlichen Emsland haben bei der Regionalwallfahrt der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) mitgemacht. Unter dem Leitmotiv „Im Gehen erinnern und gedenken“ waren sie unterwegs zum Friedhof, zur Gedenkstätte und zum Kloster in Esterwegen

Bis auf den letzten Platz besetzt war die St.-Johannes-Kirche in Esterwegen, dort startete die kfd-Frauenwallfahrt des Dekanats Emsland-Nord der Region Hümmling.  Vorsitzende Annette Hilmes, theologischer Begleiter Michael Strodt und Pater Lucas  begrüßten die Frauen und luden zum  gemeinsamen „Im Gehen erinnern und gedenken“ ein.  Der erste von den vier passenden Impulsen in Form von Zeitzeugenberichten und Gebeten fand in der Kirche statt. 

Die lange Reihe mit kfd-Frauen führte dann zum Friedhof, durch den Esterweger Busch bis zum Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. "Auf diesem Boden wurden Menschen grausam gefoltert und getötet. Sie waren unter unmenschlichen Bedingungen zum Kultivieren der Moore gezwungen worden.  Diese Menschen sind aber auch Zeugen für mutiges und gewissenhaftes Handeln“, sagte Michael Strodt.  Das stille Gehen über das Gelände führte in den Klostergarten, wodie Frauen mit Generalvikar Theo Paul einen beeindruckenden Gottesdienst feierten.  Zu Beginn sprach Schwester. Jacintha Altenberg, eine der vier Schwestern des Konvents in Esterwegen, zu den Frauen:“  Wir müssen die Geschichte den Kindern weitererzählen und immer wieder beten, dass wir noch lange in Frieden leben können!“  

„Sind die Gedenktage und Gedenkstätten nur unumgängliche Rituale, die man absolvieren muss?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Generalvikar Theo Paul  in seiner  Predigt  und  verwies dabei auf ein Zitat von Nelly Sachs „Wir wollen das Lauschen der Schreie in unserer Welt nicht verlernen“.  Theo Paul fügte hinzu, dass man mit dieser Eucharistiefeier die Erinnerung an die Menschen ausdrücken wolle, die  an diesem Ort  unsägliches Leid  erlitten hätten und gestorben seien.  „ Wir dürfen uns nicht an die Geschichte der KZs  gewöhnen, sondern müssen sie immer wieder wachrütteln. Das ist unsere Aufgabe!“  Ein kostbares Zeichen sei auch die Anwesenheit  der Schwestern an diesem Ort.   Erinnerung brauche  Orte, wo Menschen ihr Leid, ihre Klage, ihre Ohnmacht ausdrücken könnten, predigte Theo Paul und erinnerte an die Worte von Jürgen Werbick:   „ Dieses Kloster ist ein selbstloser Ort für manches ortlose Selbst“.

 

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Der  Psalm 22  mit den Worten "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen"  zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst und Theo Paul  ging in seiner Predigt auch darauf ein: „ Kaum ein anderes Gebet schafft es, so konzentriert und klar von  der Erfahrung des menschlichen Leidens zu sprechen. Es ist eine Anklage an Gott, und so endet das Gebet, das Jesus auch am Kreuz gebetet hat, eben in Lobpreis der Heilsgeschichte Gottes.  In diesem Psalm liegt der wahre Beweis der Göttlichkeit des Christentums“. Musikalisch umrahmt wurde die Wallfahrtsmesse mit passenden Gesangsbeiträgen des Projektchores unter der Leitung von Regionalkantorin Frauke Sparfeldt.

Annette Hilmes  bedankte sich am Ende der Messe im Namen des Regionalvorstandes bei  allen. Die Spende aus der  Wallfahrtsmesse kommt dem Kloster Esterwegen zu Gute. Die vom Regionalvorstand vorbereitete Frauenwallfahrt endete mit tiefgehenden Gesprächen, die zu folgendem Fazit führten: „Das stille Gehen über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers und der beeindruckende Gottesdienst mit seinen tiefgründigen Texten  haben diesen Tag der Wallfahrt geprägt“.
Text und Foto: Gisela Arling