14.12.2011

Trauergruppe in Meppen hilft verwaisten Eltern

„Hier kann ich weinen und lachen“

Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Die Trauer darum endet nie, aber sie kann sich verwandeln. Dabei will die Trauergruppe für verwaiste Eltern in Meppen helfen.

Die Trauerbegleiterinnen Rita Lingers (l.) und Kerstin Bloms achten darauf, dass die Eltern der Trauergruppe ganz offen über ihre Anliegen sprechen können.

Diese Wochen vor Weihnachten, die sind für Bärbel (Name geändert) und ihren Mann besonders schwer. Denn im vergangenen Jahr in der Adventszeit haben sie ihr erstes Kind verloren. Mitten in der Schwangerschaft ist das kleine Mädchen im Mutterleib gestorben. Die 36-jährige Bürokauffrau musste ihr Baby tot zur Welt bringen.Wenn sie heute darüber spricht, sprudelt sie fast über – als will sie sich diesen Tag im Dezember von der Seele reden. „Das war wie in einem schlechten Film“, sagt sie. „Wir konnten das erst gar nicht realisieren, wir waren total überrannt.“ Sie erzählt von dem Riesenschock nach der Geburt, von der Leere, von den Schuldgefühlen. „Ich hab mich ständig gefragt, ob ich was falsch gemacht habe. Warum passiert uns das?“ Viele solcher Fragen bleiben übrig – ohne Antworten.

Bärbel hat damals das Gefühl, dass mit dem Tod ihres Kindes ihre Hoffnung auf die Zukunft gestorben ist – und zugleich ein Stück der Vergangenheit. Die Erinnerungen, die sie gar nicht erst haben durfte. Mit ihrem Mann hat sie das kleine Mädchen noch in den Armen halten können – und musste sich dann von ihr verabschieden. Wie hat die Familie, wie haben Freunde und Bekannte reagiert? Das Paar hat die ganze Palette erlebt: Große Hilfe, aber auch große Hilflosigkeit. Die Angst, die Tränen auszuhalten. Manchen gut gemeinten, aber dann doch dummen Spruch.

In geborgener Stimmung über schweren Verlust sprechen

Was dem Paar wirklich geholfen hat, ist die Trauergruppe für verwaiste Eltern in Meppen. Kerstin Bloms und Rita Lingers wollen den Müttern und Vätern dort einen geschützten Raum für ihre Trauer geben. In einer geborgenen Stimmung können sie über ihren schweren Verlust sprechen – ohne Bewertung, ohne vordergründigen Trost, ohne verletzende Ratschläge. „Jeder entscheidet selbst, ob er oder sie etwas sagen möchte. Hier ist alles erlaubt“, sagt Kerstin Bloms. Es gibt feste Rituale wie die kleine blaue Schatztruhe, in der symbolisch alle Gesagte bleibt. Es gibt Meditation und Musik, Gebete und Hoffnung machende Texte. „Uns ist wichtig, dass die Eltern nicht in der Trauer steckenbleiben“, erklärt Rita Lingers. Sondern dass sie einen Weg, ein Ventil finden, damit umzugehen.

Bärbel tut es gut, wenn sie in der Gruppe über den Tod ihres Kindes sprechen kann. „Und wenn ich dazu mal nicht fähig bin, dann ist das auch okay. Hier kann ich weinen und lachen.“ Sie schätzt die herzliche und entspannte Atmosphäre bei den Treffen – das Gefühl, eingeladen zu sein und anzukommen. „Anfangs war mir einmal im Monat sogar zu wenig.“ In diesem Kreis gibt es kein betretenes Schweigen, keine peinlich berührten Blicke zum Boden. Alle stützen sich gegenseitig und richten sich an schlimmen Tagen wieder auf.

Am Ende des Gesprächs wird Bärbels Stimme daher fast wieder froh, als sie sagt: „Natürlich wünschen wir uns wieder ein Kind. Was gibt es denn Schöneres?“

Petra Diek-Münchow

 

 

Die 2006 gegründete Trauergruppe für verwaiste Eltern wird von der Hospiz-Hilfe Meppen und dem Sozialdienst katholischer Frauen angeboten. Die Mütter und Väter treffen sich an jedem dritten Montag im Monat von 19.30 bis 21 Uhr im Gemeindehaus St. Vitus (neben der Propsteikirche) in Meppen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Eingeladen sind alle Eltern, die ein Kind verloren haben. Geleitet wird die Trauergruppe von den Trauerbegleiterinnen Kerstin Bloms und Rita Lingers: Kerstin Bloms, Telefon 0 59 07/71 64; Rita Lingers, Telefon 0 59 31/52 64.